Rachepsalmen (8/9)

Shownotes

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Wenn du noch nicht genau weißt, ob du noch religiös oder schon gläubig bist, dann ist das hier deine Playlist: Das Evangelium erklärt

Die Skripte zu den Podcast-Episoden finden sich hier: Skripte Podcast

Wenn du für meinen Dienst beten willst, dann findest du hier drei aktuelle Gebetsanliegen.

Der Herr segne dich. Erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. AMEN

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00:00:04: In der

00:00:31: letzten Folge haben wir entdeckt, dass es Parallelen zwischen einigen Aussagen in den Gerechtigkeitspsalm und dem gibt was traumatisierte Menschen über ihr Erleben äußern.

00:00:42: Wir haben gesehen, dass die Psalm traumatisierte Menschen sprachfähig machen können.

00:00:46: Wie gesagt – diese Psalmen haben noch eine zweite Superkraft!

00:00:50: Was diese Superkraft bedeutet, verstehen wir erst wenn wir uns anschauen was ein Trauma in der Seele eines Menschen hinterlassen kann.

00:00:57: Denn das erschreckende ist….

00:00:59: Der Täter kann längst von der Bildfläche verschwunden sein aber seinen Einfluss kann weiterwirken.

00:01:05: Dazu eine Geschichte Eine Frau wird als Jugendliche vergewaltigt.

00:01:09: Der Täter gibt ihr das Gefühl, sie habe die Situation selbst proziert.

00:01:13: Jahre später weiß sie dass er die Schuld trägt und trotzdem ist da tief in ihr drin dieser Anklage.

00:01:20: ich bin selber schuld.

00:01:22: Ich hätte deutlicher nein sagen sollen.

00:01:25: Mit mir stimmt etwas nicht.

00:01:26: Als sie später von einem Mann zurückgewiesen wird trifft es sie deshalb viel härter als es eigentlich müsste.

00:01:32: Aus einem einfachen diese Person ist nicht an mir interessiert.

00:01:36: Wird in ihrem inneren ein.

00:01:38: Natürlich will mich niemand.

00:01:40: Ich bin ja auch nicht

00:01:40: liebenswert.".

00:01:42: Der Vergewaltiger ist zwar seit langen von der Bildfläche verschwunden und trotzdem bestimmt er gewissermaßen immer noch, wie diese Frau sich selbst in die Welt sieht.

00:01:50: Der Traumaterapeut Christopher Frischette spricht hier vom verinnerlichten Täter – damit meint er «Ein Trauma kann das Innerer eines Menschen durcheinander bringen, sodass ihm ihm unbewusst die Überzeugung entsteht — ich habe das erlittene Unrecht verdient Oder ich bin irgendwie selbst dafür verantwortlich.

00:02:11: Eine mögliche Erklärung für diese innere Verschiebung der Schuld vom Täter auf sich selbst ist die kaum auszuhaltener Erfahrung von Ohnmacht.

00:02:19: Sich selbst die Schuld zu geben, kann an paradoxerweise etwas Erleichternes haben.

00:02:24: Ich bekomme in meiner Vorstellung ein Stück weit Kontrolle

00:02:26: zurück.".

00:02:27: Ja es ist natürlich nur eine Pseudokontrolle!

00:02:34: was natürlich nicht stimmt.

00:02:38: Aber sich einzugestehen, dass man völlig ausgeliefert war und überhaupt nichts hätte tun können kann sich schlimmer anfühlen als ich selbst die Schuld zu geben dadurch wenigstens das Gefühl zu haben ein Stück weit Kontrolle gehabt zu haben Und?

00:02:52: Was für einen Außenstehenden offensichtlich falsch klingt, kann sich für den Betroffenen wie eine unumstößliche Wahrheit anfüheln.

00:02:59: Bei Manchen verfestigen sich solche Überzeugungen noch weiter.

00:03:03: Sie glauben dann.

00:03:10: Es sind also diese traumatischen Erinnerungen an den Täter und die damit verbundenen zerstörerischen Überzeugung über sich selbst, den verinnerlichten Täter.

00:03:35: Man könnte vereinfacht sagen, die Stimme des Täters scheint im Inneren des Opfers weiterzusprechen.

00:03:45: Ein Trauma kann also das Selbstbild verändern – aber nicht nur das sondern auch wie der Betroffene den Täter und sogar Gott wahrnimmt!

00:04:01: Christopher für Rechret schreibt Gerade bei schweren und wiederholten Traumatisierungen kann der Täter wie eine übermächtige, ja wie eine allmächtigen Figur erlebt werden.

00:04:12: Und auch wenn das Trauma längst vorbei ist, kann genau diese Vorstellung bleiben!

00:04:17: Man könnte fast sagen dem Täter werden Eigenschaften zugesprochen die eigentlich Gott vorbehalten sind – und wenn ein Mensch den Täter so erlebt dann kann das auch sein Vertrauen in Gott erschüttern.

00:04:28: Dann kommen vielleicht Fragen auf wie Wo war Gott?

00:04:32: Warum hat Gott nicht eingegriffen?

00:04:34: Ist Gott etwa

00:04:35: machtlos?".

00:04:36: Christopher Frischette beschreibt, dass manche Traumatisierte anfangen, Gott dafür zu verachten.

00:04:42: Dass er das Trauma nicht verhindert hat, obwohl er es könnte.

00:04:46: So kann sich die Überzeugung festsetzen – Gott hat mich nicht beschützt!

00:04:51: Ich war ihm anscheinend nicht wichtig

00:04:52: genug.".

00:04:54: Diese Worte erinnern mich am Psalm-II.

00:04:57: Dort schreit der Psalmist in seiner Not «Mein Gott, mein Gott…».

00:05:01: Warum hast du mich verlassen?

00:05:03: Aber die Psalmisten bleiben in den meisten Psalmen nicht in dieser Verzweiflung stehen.

00:05:10: Sie beschreiben zwar ihre Not mit drastischen Worten, aber sie widersprechen ja auch mit drasticen Worten.

00:05:16: und wie?

00:05:17: Indem sie der Verzwiflung –die Größe Gottes–

00:05:20: entgegenhalten.".

00:05:22: So heißt es im Psalmem achtzehn, Vers sieben bis neunzehn.

00:05:26: Als mir Angst war, rief ich den Herrn an und schrie zu meinem Gott.

00:05:30: Da er hörte er meine Stimme, die Erde bebte und wankte.

00:05:34: Und die Grundfesten der Berge bebten, da er zornig war!

00:05:39: Rauch stieg auf von seiner Nase und verzehrend Feuer aus seinem Munde.

00:05:44: Flammen sprühten vor ihm aus.

00:05:46: Aus dem Glanz vor ihm zogen seine Wolken dahin mit Hagel und Blitzen.

00:05:51: Der Herr donnerte im Himmel unter Höchste, ließ seine Stimme erschallen mit Hagl und Blitzem.

00:05:56: Er schoss seine Pfeile und zerstreute die Feinde, sannte Blitze in Menge und erschreckte sie.

00:06:02: Da sah man die Tiefen der Wasser Und des Erdbodens Grundwart aufgedeckt vor deinem Schelden her Vor dem Oden-und-Schnauben deines Zorns.

00:06:11: Es streckte seiner Hand aus von der Höhe und fasste mich und zog mich aus großen Wassern.

00:06:17: Er rettete mich von meinen starken Feinden Von meinen Hassern, die mir zu mächtig waren.

00:06:21: Sie überwältigten mich Aber der Herr ward meine Zuversicht.

00:06:26: Das ist ein wuchtiger Text in den Psalmen.

00:06:30: Zuerst einmal sagt der Psalmist, ich wurde von meinen Feinden überwältigt!

00:06:35: Er flüchtet eben nicht in diese Fantasie – Ich bin schuld.

00:06:39: Ich hätte ja etwas dagegen tun

00:06:40: können.".

00:06:41: Nein, er kennt seine Ohnmacht an und gleichzeitig vertraut er sich dem an, der die Kontrolle und Macht hat.

00:06:48: In diesem Psalm betritt der Feind das Kampffeld Der Entgegner Gott selbst.

00:06:57: Und genau solche krassen Gottesbeschreibungen können für traumatisierter heilsam sein, warum es dazu unbedingt solche imposanten Gottesdarstellungen braucht, erklärt der Psychotherapeut Christopher Frischett.

00:07:09: Er schreibt, diese Überzeugung lösen sich nicht einfach auf wenn man dagegen nur vernünftig argumentiert.

00:07:24: Diese Überzeugungen sind an intensive Gefühle gekoppelt, die das Trauma ausgelöst hat.

00:07:30: An Gefühlen wie Angst, Hilflosigkeit, Scham und Wut – diese Gefühler können so intensiv sein dass sie daran gekoppelten Überzeugung resistent gegen rein intellektuelle Argumente sind.

00:07:41: Wenn man also dieser zerstörerischen Überzeugen durch heilsame Überzeuging ersetzen will dann muss man auch an den traumatischen Gefühlern ansetzen.

00:07:50: Und genau hier können wuchtige Bilder helfen Bilder, die emotional stark genug sind um diesen traumatischen Gefühlen etwas entgegenzusetzen.

00:08:00: Was passiert wenn jetzt die Gerechtigkeitspsalmen eine Sprache bereitstellen in der Angst, Hilflosigkeit, Scham und Wut ausgesprochen werden können?

00:08:10: Dann geben diese Psalmen nicht nur diesen Gefühle eine Stimme sie greifen gewissermaßen die belastenden Bilder vom mächtigen Täter auf und setzen diesem traumatischem Bild vom Täter einen Gegenbild entgegenten Dem noch stärkeren Gott.

00:08:25: Und damit zeigen sie dem Traumatisierten, der Täter ist nicht allmächtig – Gott isst es!

00:08:51: weil die schutzlosen Leinen können ein heilsames Gottesbild fördern.

00:08:56: Um es noch mal mit anderen Worten zu sagen, die traumatische Überzeugung ist so eng mit den intensiven Gefühlen verbunden dass die Gegenbotschaft nicht nur im Kopf verstanden werden muss sie muss auch emotional ankommen und das Selbstbild bekommt eine Gegenstimme.

00:09:13: Der verinnerlichte Täter sagt dem Opfer Ich habe Macht über dich.

00:09:18: Die Psalmen widersprechen Du bist nicht allmächtig.

00:09:22: Gott ist stärker als

00:09:23: du.".

00:09:24: Der verinnerlichte Täter sagt dem Opfer, «Du bist schuld.».

00:09:28: Die Psalm korrigieren nein!

00:09:30: Ich war ohnmächtige.

00:09:31: Das Unrecht liegt beim Täter.

00:09:34: Aber damit wollen die Psalmen den Not nicht verharmlosen oder leugnen.

00:09:38: Erich Zänger formulierte so, in dem die PSalm müssten, Gott mit ihrer Situation des Leidens konfrontieren, helfen diese Psalme den Menschen mit der paradoxen Situation zu leben, an einen Gott der Gerechtigkeit zu glauben, der solche Ungerechtigkeit zulässt.

00:09:55: Die Gewalt ist real – Der Täter ist real und trotzdem behält er nicht das letzte Wort.

00:10:01: Gott ist mächtig auch wenn er noch nicht eingegriffen hat!

00:10:04: Genau diese Spannung halten die Psalmen aus.

00:10:07: Gerade deshalb sind sie keine Vertröstung.

00:10:09: Sie helfen viel mehr dabei mitten in dieser widersprüchlichen Erfahrung an einem Gott derGerechtigkeit festzuhalten.

00:10:25: Das war's für

00:10:45: heute.