Rachepsalmen (7/9)
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Wenn du noch nicht genau weißt, ob du noch religiös oder schon gläubig bist, dann ist das hier deine Playlist: Das Evangelium erklärt
Die Skripte zu den Podcast-Episoden finden sich hier: Skripte Podcast
Wenn du für meinen Dienst beten willst, dann findest du hier drei aktuelle Gebetsanliegen.
Der Herr segne dich. Erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. AMEN
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00:00:04:
00:00:31: Edith Eger ist sechzehn Jahre alt, als sie nach Ausschwitz deportiert wird.
00:00:36: Noch am Tag ihrer Ankunft wird ihre Mutter von Josef Mengele in die Gaskammer geschickt.
00:00:41: Edith und ihre Schwester überleben diese Lektion.
00:00:45: Und damit erlebt Edith unmittelbar, was es bedeutet einem anderen Menschen völlig ausgeliefert zu sein.
00:00:52: Das ist so dieser Erfahrung der völligen Ohnmacht.
00:00:55: Ein Mensch kann dir das Liebste nehmen dass du hast und Du kannst nichts dagegen tun.
00:01:01: Edith beschreibt später wie wütend und zugleich machtlos sie sich fühlte.
00:01:06: Nach dem Krieg schweigt Edith Jetzt.
00:01:08: zehnte lang spricht sie kaum über Ausschwitz.
00:01:11: Sie sagt später, sie habe die Worte dafür nicht gefunden.
00:01:15: Edet Eger's Geschichte zeigt uns Erfahrungen von den vielen Menschen nach schwerer Gewalt erzählen.
00:01:21: Da ist die Ohnmacht da ist die intensive Wut über das erlittene Unrecht und da es die Sprachlosigkeit wenn das Erlebte kaum in Worte zu fassen ist.
00:01:30: Und jetzt wird es besonders spannend.
00:01:33: Wenn wir Berichte traumatisierter Menschen mit den Gerechtigkeitsbzahlen vergleichen dann fallen uns erstaunlich viele Parallelen auf.
00:01:41: Auch die Psalmisten beschreiben eine Welt, in der sie sich bedroht, verfolgt und ausgeliefert fühlen.
00:01:46: Ihre Feinde erleben Sie als überwältigend!
00:01:49: Diese Feinde werden den Psalmen nicht bloß diplomatisch als problematische Menschen bezeichnet sondern sie werden mit drastischen Bildern beschrieben.
00:01:58: Zum Beispiel stehen im Psalm XXII die Feinde wie wilde Tiere um dem Beta herum.
00:02:05: Wie gewaltige Stierungen geben sie ihn.
00:02:07: Wie wilde Hunde haben sie sich um ihn zusammengerottet.
00:02:11: Und in Vers vierzehn heißt es, ihren Rachen sperren Sie gegen mich auf wie ein reißender
00:02:17: Löwe.".
00:02:18: Im Psalm achtundfünfzig werden die Feinde beschrieben als giftige Schlangen.
00:02:22: Im Psalm hundertachtzehn heisst es «Sie!
00:02:26: Die Feinde umgeben mich wie Bienen.
00:02:28: Sie entbrennen wir einen Feuer in Dornen.».
00:02:31: Auffällig ist bei all diesen Feindmetaphern geht es nie um Haustiere sondern um Raub- und Wildtiere.
00:02:37: Im Gegensatz dazu beschreibt der Beta sich mit schutzlosen, verletzlichen Tieren.
00:02:42: So heißt es zum Beispiel im Psalm unter zwei für sieben und acht.
00:02:46: Ich bin wie eine Eule in der Wüste Wie ein Kreuzchen in zerstörten Städten.
00:02:50: Ich wache Und klage wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.
00:02:54: Aber damit ist nicht genug.
00:02:56: Die Feinde verspotten und erhöhen den Psalmisten In psalm zwanzwanzig Sie spannen ihre Bögen und richten ihre Pfeile Auf ihnen.
00:03:07: Sie ziehen das Schwert gegen ihn, im Psalm siebenunddreißig.
00:03:11: Immer wieder tauchen diese Motive der Erniedrigung und Lebensbedrohung dem Psalmem auf.
00:03:16: Kein Wunder also dass der Psalmist diese Menschen als übermächtig empfindet!
00:03:20: Er fühlt sich in die Gefahr hineingerissen er fühlt von der Gefahr umzingelt.
00:03:25: Er kann sich deshalb nur sehr schwer davon distanzieren.
00:03:29: Und dabei ist noch eine Sache auffällig es macht einen Unterschied wer mir eigentlich gegenüber steht.
00:03:35: Wenn mir mein Feind gegenübersteht, dann ist das eine Sache.
00:03:39: Aber was geschieht wenn die Bedrohung von einem Menschen ausgeht, die mich eigentlich vertraue?
00:03:44: Wie schwer eine traumatische Erfahrung für einen Menschen ist hängt nicht nur davon ab, was geschehen ist sondern auch davon wer es getan hat!
00:03:52: Wenn mich ein völlig fremder Mensch bedroht, ist das schlimm.
00:03:55: Wenn aber der Mensch, den ich vertauere plötzlich selbst zu meinem Gegner wird kommt noch etwas dazu.
00:04:01: Mein Vertrauen wird erschüttert.
00:04:03: Ich bin in meinem Leben viel im Ausland gewesen.
00:04:05: Einmal habe ich für drei Monate in einer Region gelebt, in der Christen verfolgt werden.
00:04:10: Dort hab' ich bei einem Pastor und bei seiner Familie
00:04:13: gewohnt.".
00:04:14: Einmal fragt dich diesem Pastor, was ist eigentlich das Schlimmste, dass dir in deinem Dienst jemals als Pastor passiert ist?
00:04:21: Er musste nicht lange überlegen.
00:04:23: Ziemlich schnell antwortete er, Das Schlimmmste für mich war zu entdecken, dass die Menschen, die du für deine Freunde hältst Eigentlich nur darauf warten, dass du dich umdrehst, damit sie die Hermesser in den Rücken rahmen können.
00:04:36: Ich habe damals nicht verstanden was dieser Mann meinte.
00:04:39: Einige Zeit später saßen wir in seiner kleinen Hauskirche.
00:04:42: Er sagte zu mir, seit Jahren sitzt hier Sonntag für Sonntagein-Mann in unserem Gottesdienst.
00:04:49: Ich hab ihm vertraut und ihn für meinen Freund gehalten aber er wurde von dem Behörden geschickt, um uns zu bespitzen.
00:04:56: In diesem Moment habe ich verstanden, was der Mann meintte.
00:04:59: Dieses Gespräch mit diesem Pastor hat mich an Psalm-Von-Fünfzig erinnert.
00:05:04: Der Psalmist sagt, denn es ist noch nicht einmal ein Feind der mich versportet – das könnte ich noch ertragen!
00:05:10: Es ist nicht einer, der mich hasst, der sich gegen mich aufspielt.
00:05:14: Vor ihm könnte ich mich noch
00:05:15: verstecken.".
00:05:16: Nein du bist es… Ein Mensch, den ich schätze ….
00:05:19: Mein Freund, mein Vertrauter.
00:05:21: Wir saßen zusammen und suchten Rat.
00:05:23: Ins Haus Gottes sind wir gegangen in mitten der großen Menge.
00:05:27: Das Entscheidende ist also nicht nur jemand tut mir Böses, sondern der Mensch die mich vertraut habe zum Gegner geworden.
00:05:35: Wie sehr dem Psalmisten die Bedrohung in Mitleidenschaft zieht beschreibt er in eindrücklichen Bildern und genau diese Art von Beschreibungen erinnert an Trauma-Erfahrungen?
00:05:45: Der Psychiater Bessel van der Kolk beschreibt, traumatische Erinnerungen können anders gespeichert werden als normale Erinnerung – sie werden nicht unbedingt als zusammenhängende Geschichte behalten!
00:05:57: Wenn ich also einen traumatisierten Frage, was ist passiert?
00:06:01: Dann kann es passieren dass er Mühe damit hat seine Geschichte ordentlich in einer zusammenhängenden Geschichte zu erzählen.
00:06:09: Dadessen können traumatische Erinnerungen als intensive Bilder, als starke Gefühle und körperliche Empfindung gespeichert werden Und ein immer wieder im Alltag überfallen oder in Albträumen verfolgen.
00:06:22: Die Psychatorin Judith Herrmann veranschaulich das am Beispiel eines Vietnam-Veteranen.
00:06:27: Was von seinem Kriegserleben zurückbleibt, sind einzelne Bilder – bei einem Armknochen, Hautfetzen und Blut!
00:06:34: Noch Jahrzehnte später kann ein bestimmtes Lied diese Bilder wieder wachrufen.
00:06:38: Und wenn wir jetzt wieder zum Salmysten zurückgehen fällt etwas auf.
00:06:42: Er erzählt seine Erfahrungen auch nicht immer wie eine schön geordnete Geschichte.
00:06:47: Er springt vom einen Bild zum nächsten.
00:06:49: Nehmen wir mal z.B.
00:06:50: Psymonussechzig.
00:06:52: was schreibt er da?
00:06:53: Er versinkt im Schlamm, fährt drei.
00:06:56: Im Steig das Wasser bis zum Hals, fährst zwei.
00:06:59: Er ruft lang um Hilfen und wird nicht gehört, fahrs vier.
00:07:02: Die Flut trot ihn zu verschlingen und zieht ihn in die Tiefe, fahres drei fünfzehnundsechzehn.
00:07:08: Es sind einem dunklen Loch, dass sich über ihm schließt, fähres sechzehntn.
00:07:12: Wir sehen einzelne eindringliche Bildereien sich eineinander Und manche erinnern stark an die Bilderwelt von Albträumen.
00:07:20: Natürlich wissen wir nicht, ob der Psalmist im klinischen Sinn traumatisiert war.
00:07:24: Aber wenn ein Mensch heute mit traumatischen Erfahrungen diesem Psalm liest, können ihm diese Bilder erstaunlich vertraut vorkommen.
00:07:30: Ein Trauma kann auch dieses Gefühl erschüttern – meine Welt ist sicher!
00:07:34: Was vorher vielleicht selbstverständlich war, ist plötzlich nicht mehr selbstverständlicher.
00:07:40: Die Passanten die ich früher beim Einkaufen kaum wahrgenommen habe beobachten jetzt aus den Augenwinkeln.
00:07:46: Der Arbeitsweg, der vor einfach zum Alltag gehörte wird plötzlich zu einem Ort an dem ich jederzeit mit Gefahr rechne.
00:07:53: Sam Elf deutet eine solcher schütterte Welt an.
00:07:56: Da heißt es wenn die Grundfesten eingerissen werden was kann da der Gerechte noch tun?
00:08:01: Natürlich ist das zunächst poetische Sprache aber als Bild für traumatisches Erleben ist so stark!
00:08:07: Ich deute es so dass worauf ich mich verlassen habe gerät und zwanken.
00:08:12: meine welt ist unsicher geworden.
00:08:14: Wenn wir all das nebeneinander legen, dann sehen wir die Psalm sprechen eine Sprache, die ein traumatisierter Mensch wiedererkennen kann.
00:08:23: Da ist die Erfahrung – ich bin bedroht!
00:08:26: Ich bin ausgeliefert!
00:08:27: Niemand hilft mir!
00:08:29: Ich kann niemandem mehr
00:08:30: vertrauen!".
00:08:31: Und dann lese ich plötzlich einen Psalmen und merke, da spricht jemand Worte, die meine eigene Erfahrung ausdrücken.
00:08:38: Ja genau so fühlt sich das an.
00:08:40: Genauso sieht meine Welt geradeaus….
00:08:43: Und dann merke ich vielleicht, die Psalmen geben nicht nur dem Trauma eine Sprache.
00:08:48: Sie geben mir eine Sprach, die ich nicht selber neu erfinden muss.
00:08:53: Aber die PSalmen können einen traumatisierten Nicht-Nussprachfähig machen – sie haben noch eine zweite Superkraft!
00:08:59: Was diese Superkraft bedeutet, verstehen wir erst wenn wir uns anschauen was ein Trauma in der Seele eines Menschen hinterlassen kann.
00:09:07: Denn das erschreckende ist….
00:09:09: Der Täter kann längst von einer Bildfläche verschwunden sein Aber sein Einfluss kann weiter wirken.
00:09:14: Wie kann das sein?
00:09:16: Darüber spreche ich in der nächsten
00:09:45: Folge!